 |
 |
 |

Was fasziniert dich besonders am Pokern?
Der ganze Poker-Lifestyle ist total verrückt. Man trifft hier auf solch schräge Vögel - es ist Hammer. Ich habe noch kein Spiel erlebt, das so unterschiedliche Menschen an einen Tisch bringt. Und dass sich Leute, die sich sonst eher gegenseitig die Köpfe einschlagen würden, einfach zusammen amüsieren. Poker ist der große gemeinsame Nenner, der alle zusammenschweißt, egal wie schräg sie drauf sind. Ich habe zum Beispiel einmal neben einem recht prolligen Machotypen gesessen, der die ganze Zeit Dinge gesagt hat wie ‚Ey, Misch kannste nisch verarschen!’ – und es hat totalen Spaß gemacht mit ihm zu spielen. Am Tisch kommst du solchen Leuten ganz nahe und hast Spaß an ihrer Art. Poker ist einfach bunter, besser, lustiger.
Nun die Frauenfrage: Pokern Frauen anders als Männer?
Der Frauenanteil liegt bei Poker etwa bei drei Prozent, mit aufsteigender Tendenz. Das bedeutet: Du sitzt fast immer als einzige Frau am Tisch. Da fällt jeder Fehler oder zaghaftes Spielen natürlich sofort auf. Der Focus auf die Frau am Tisch kann ein Nachteil sein, den Frau zum Vorteil umwandeln muss.
Um die Frage zu beantworten: Ja. Frauen denken ja auch schließlich ganz anders als Männer. Das ist nicht nur rein wissenschaftlich bewiesen. Männer sind härter im Spiel. Sie treffen einen Entschluss und ziehen den dann durch. Frauen sind empathischer. Sie sind bewiesener Maßen eher in der Lage Menschen zu lesen und Aktionen nachzuvollziehen. Wie jemand gerade denkt, fühlt, dann entsprechend spielt, und nebenher achten sie noch darauf, dass das Feuer weiterbrennt ;)
Beides hat seine Vor- und Nachteile.
Männer sind einfach mutiger und ziehen ihr Ding durch, ohne einen Herzklabaster zu bekommen. Das ergibt am Tisch die größten Pötte - kann den entsprechenden Spieler aber auch in einer Hand vom Tisch fegen. Die gefühlvollen Frauen hingegen gehen auf Nummer sicher, bleiben lange im Spiel, machen aber nur kleine Gewinne und scheiden dann eventuell kurz vor dem großen Ziel aus.
Jeder schaut sich sein Gegenüber an und überlegt, ob es sich um einen harten Brocken, einen Familienvater oder Geschäftsmann handelt. Aber die Lösungswege bei Männlein und Weiblein sind meist grundverschieden. Bei großen Turnieren fällt ein zaghaft, tighter Spieler gar nicht auf. Eine aggressive Frau dagegen schon. Sobald es 50:50 in der Geschlechterfrage steht, werden die Unterschiede im Spielstil mit Sicherheit verschwimmen.
Das heißt, man bzw. „frau“ kann das Geschlecht schon gewissermaßen ausspielen?
Frauen sind im Allgemeinen zarter. Ich spreche jetzt aber nicht von mir. Man kann als Frau natürlich neben den Karten auch seinen Charme spielen lassen. Es gibt auch Kolleginnen, die sich an den Tisch setzen und mit Absicht vollen Blick auf die Berge gewähren. Und das nicht unbedingt, um sich beliebt zu machen. Natürlich kann man die Waffen einer Frau einsetzen.
Reagieren Männer anders auf Dich?
Auf jeden Fall. Wenn ich eine halbe Stunde am Tisch sitze ohne eine Hand gespielt zu haben und jedes Blatt wegwerfe, dann schätzen die Mitspieler mich als ‚tighten’ Spieler ein - also als extrem vorsichtig. Während es bei einem Mann überhaupt nicht auffällt, wenn er im gleichen Zeitrahmen alle Karten schmeißt. So kannst du viel schneller dein Image aufbauen. Als einzige Frau am Tisch kann man natürlich vorsichtig spielen – im doppelten Sinne – und auf diese Weise die Gegner in Sicherheit wiegen.
Nach 30 Minuten kann ich dann mein Image spielen. Wenn man das Spiel beherrscht – also das doppelte Spiel sozusagen – dann geht es für mich erst richtig los. So lange „checke“ ich in aller Ruhe mit wem ich es zu tun habe. Wenn ich dann eine Hand spiele bzw. erhöhe, klingeln bei den Mitspielern sofort die Alarmglocken. „Jetzt hat sie jede Menge Asse“. Aber eigentlich kann ich genau so gut bluffen und man glaubt mir. Das ist der entscheidende Vorteil.
Ist Poker für dich ein Online-Spiel oder ein Tisch-Spiel?
Ich gehe sehr gerne aus, aber der Unterschied zwischen realen- und online Tischen ist gering. Ich bekomme online genau so viele Tells wie mit Menschen aus Fleisch und Blut, die mir gegenüber sitzen. Das ist zwar keine dicke Halsschlagader, aber die Zeit, die er braucht, um zu setzen, der Betrag, den er einsetzt, der Unterschied zum letzten Spiel oder was er Pre-Flop gemacht hat. Im Internet sind die Leute übrigens oftmals konzentrierter als im Casino. Sie müssen nur auf den Bildschirm schauen, während am Spieltisch alles Mögliche passiert, worauf du achten musst oder was dich ablenkt.
Was hältst du von Prominenten und prominenten Pokerern?
Wenn es Menschen sind, die Spaß am Spiel haben, ist es mir egal, ob sie prominent sind oder nicht. Wenn es aber nur um Promotion-Zwecke geht, finde ich das blöd. Die Chips von Prominenten nehme ich auch gerne. Wenn ich jedoch Pokern im TV sehe, und besonders Leute, die schlecht pokern, rufe ich immer herein, ‚Lass’ mich das spielen’; wie bei Rotkäppchen, wenn die Kinder den Wolf hinterm Baum entdecken. Aber ernsthaftes Pokern ist das nicht.
Wie fühlt man sich als Frau in dieser Szene?
Bei dem Poker-Marathon in Hinterglemm hieß es danach immer, ‚das ist die einzige Frau, die mit am Tisch war’. Das fühlt sich so an, als hätte man nur ein Bein. Es nervt. Denn ein Pokerspiel verbindet die unterschiedlichsten Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten mit den unterschiedlichsten Geschichten so schnell miteinander wie kein anderes Medium. Man kann so frei miteinander reden, und ich habe so viele nette Menschen kennen gelernt, mit denen ich Kontakt pflege. Vielleicht fühle ich mich deshalb am Pokertisch wie zuhause und bin immer wieder aufs Neue wild darauf.
Deine nächsten Ziele?
Ich möchte mich auf jeden Fall international messen. Ich bin mit einem Spiel jetzt so weit. Das habe ich bei richtig guten Spielern unter Beweis gestellt, und viele haben mich in meinem Vorhaben bestärkt und ermutigt. Ich möchte in die Welt hinaus. Ich möchte zeigen, was ich kann. Ich möchte es einfach machen. |
 |
|
|
 |
| |
|
|
|
|
 |
 |
 |
Als nach etwa 80 Stunden zwei Spieler wegen Kreislaufversagen und Thrombose ärztlich...
[weiter] |
|
|
 |
|